April 28, 2026

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Hand aufs Herz: Wie oft hast du dich in den letzten Monaten über „Widerstand gegen den Change“ beklagt? Wir schieben das Scheitern von Transformationen gerne auf die „festgefahrene Kultur“ oder das „falsche Mindset“. Die bittere Wahrheit ist jedoch viel simpler: Es gibt keinen Widerstand gegen Veränderung. Es gibt nur Widerstand gegen nutzlosen Müll.

In einer Wirtschaftskrise ist Prozess-Optimierung Luxus – Ergebnis-Optimierung ist Pflicht. Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns viel zu lange damit beschäftigt, wie wir arbeiten (Scrum, Kanban, SAFe), statt was dabei herauskommt. Wer liefert, hat recht.

Der "Bohrmaschinen-Fehler" der agilen Szene

Niemand kauft eine Bohrmaschine, weil er eine Bohrmaschine besitzen will. Er will ein Loch in der Wand. Wenn morgen ein Lasergerät auf den Markt kommt, das sauberer und schneller Löcher stanzt, ist die Bohrmaschine Geschichte.

Genau hier liegt das Problem: Die meisten agilen Coaches verkaufen seit Jahren „Bohrmaschinen“ (Frameworks) an Leute, die überhaupt keine Löcher brauchen. Framework-Treue ist oft reine Arbeitsverweigerung. Wer sagt „Das steht aber nicht im Scrum Guide“, blockiert aktiv die Wertschöpfung. Wir müssen Agilität komplett von der „Scrum-Polizei“ entkoppeln und uns auf Result-Driven Agility konzentrieren.

Bestechung durch Relevanz: Das WIIFM-Prinzip

Menschen ändern ihr Verhalten sofort, wenn sie den eigenen Vorteil erkennen. Erinnere dich an die Corona-Zeit: Die Umstellung auf Homeoffice war für fast niemanden ein „schwieriger Change-Prozess“. Warum? Weil der Nutzen (Flexibilität, kein Pendeln) den Aufwand sofort rechtfertigte.

Um dein Team zu bewegen, musst du ihre spezifische Währung kennen:

  • Der Entwickler will weniger sinnlose Meetings und ungestörte Fokus-Zeit zum Coden.
  • Der Product Owner will weniger politischen Druck von oben und verlässliche Liefertermine.
  • Der CFO interessiert sich nicht für deine Velocity, sondern für Time-to-Market, Customer Retention und Revenue pro Mitarbeiter.

In 3 Schritten zum „Self-Running“ Change

Wenn du Veränderung willst, die nicht nach zwei Wochen im Sand verläuft, folge diesem Plan:

1. Radikale Schmerzanalyse

Frag dein Team nicht: „Wie können wir agiler werden?“ Frag: „Was hindert dich heute am meisten daran, einen verdammt guten Job zu machen?“

2. Agilität als „Trojanisches Pferd“

Verkaufe keine Meetings, sondern Lösungen. Sag nicht: „Wir führen jetzt Backlog Refinement ein.“ Sag: „Wir sorgen ab heute dafür, dass du nie wieder unklare Tickets bearbeiten oder auf Antworten warten musst.“

3. Die 7-Tage-Deadline

Change muss sich innerhalb von Tagen auszahlen, nicht in Monaten. Wenn das Team nach einer Woche keinen echten Fortschritt spürt, hast du sie verloren. Perfektionismus ist hier der Feind von Profit. Ein „schmutziger Hack“, der heute Probleme löst, ist wertvoller als eine saubere Architektur in drei Monaten.

Fazit: Werde vom Coach zum Verkäufer

Hör auf, Agilität zu predigen. Fang an, individuelle Schmerzen zu heilen. Agilität ist kein Selbstzweck und kein Wohlfühlprogramm – es ist die brutalste und effizienteste Art, in einer Krise Geld zu verdienen und zu überleben.

About the author 

Marc Löffler

Marc Löffler ist Keynote-Speaker, Autor und Mentor für passionierte Scrum Master. Er befasst sich schon seit 2005 leidenschaftlich mit agilen Methoden, wie z.B. Scrum, Kanban oder eXtreme Programming. Bevor er mit dem Thema Agilität in Berührung gekommen war, hat er als zertifizierter Projektmanager (IPMA) bei Firmen wie Volkswagen, Siemens und EADS erfolgreich multinationale Projekte geleitet. Mit Begeisterung hilft er Unternehmen dabei, agile Werte zu verstehen und genau die Form von Agilität zu finden, die zum jeweiligen Unternehmen passt. Dabei nutzt er sein PASSION Modell, um die jeweilige Situation zu analysieren und sinnvolle nächste Schritte hin zur passionierten, agilen Organisation zu definieren. Er liebt es, neue Einsichten zu generieren, und unterstützt Unternehmen dabei, Probleme aus kreativen, neuen Blickwinkeln zu betrachten. Seit September 2018 ist er zertifizierter Professional Speaker GSA (SHB) mit der besten Keynote seines Jahrgangs. Im Jahr 2014 erschien sein Buch „Retrospektiven in der Praxis“ beim dpunkt.verlag. Im Jahr 2018 folgte das Buch „Improving Agile Retrospectives“ bei Addison Wesley. Im Februar 2022 folgte dann das Buch "Die Scrum Master Journey" beim BusinessVillage Verlag.

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