März 3, 2026

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Friedrich Merz fordert mehr Arbeitsstunden. CDU und andere Parteien stimmen ein: Deutschland sei zu bequem geworden, die Wettbewerbsfähigkeit leide. Was auf den ersten Blick wie ein nüchternes wirtschaftspolitisches Argument klingt, ist bei genauem Hinsehen ein klassischer Denkfehler – und einer, der in Unternehmen täglich Millionen Euro kostet.

Das Getriebe-Problem

Stell dir vor, du hast ein Auto, dessen Getriebe seit Jahren nicht gewartet wurde. Statt in die Werkstatt zu fahren, packst du mehr PS in den Motor. Was passiert? Richtig: Das Getriebe fliegt dir um die Ohren. Mehr Energie ins kaputte System – mehr kaputten Output.

Genau das passiert gerade in der politischen Debatte. Wir reden über Stunden, nicht über Systeme. Wir reden über Effizienz, obwohl das eigentliche Problem Effektivität ist.

Peter Drucker hat es treffend formuliert: Es gibt nichts Nutzloseres, als effizient zu tun, was überhaupt nicht getan werden sollte. Die Deutschen arbeiten nicht zu wenig. Sie arbeiten zu oft am falschen Zahnrad.

Das eigentliche Problem: Die 6 Systembremsen

In meiner Arbeit mit Technologieunternehmen und Start-ups sehe ich immer wieder dieselben Muster. Nicht faule Menschen – sondern Systeme, die fleißige Menschen ausbremsen.

1. Bürokratie

Ärzte dokumentieren mehr als sie behandeln. Entwickler sitzen in Pflichtmeetings statt zu entwickeln. Pflegekräfte füllen Formulare aus statt zu pflegen. Bürokratie ist kein Naturgesetz – sie ist ein Systementwurf.

2. Sinnlose Prozesse

Prozesse entstehen, um Probleme zu lösen. Aber sie wachsen weiter, lange nachdem das Problem gelöst ist. Wer Prozesse entwirft, muss sie nicht selbst leben – und hört deshalb nicht auf, neue zu erfinden.

3. Zu viele parallele Projekte

Ab drei parallelen Projekten hast du mehr Verlustleistung als Arbeitsleistung. Das ist messbar. Trotzdem sehe ich regelmäßig Teams, die an vier, fünf, sechs Projekten gleichzeitig arbeiten. Das Ergebnis: Alles hängt in der Luft, nichts wird fertig, alle sind beschäftigt und erschöpft.

4. Fehlende Selbstbestimmung

Mitarbeiter, die jahrelang im Goldfischglas geschwommen sind – also in einem System, das ihnen jede Entscheidung abgenommen hat – werden nicht plötzlich eigenverantwortlich, wenn man sie bittet, es zu sein. Eigenverantwortung ist ein Systemmerkmal, keine Charakterfrage.

5. Lange Entscheidungswege

Was machst du, während du auf eine Entscheidung wartest, die vier Wochen braucht? Du füllst die Zeit mit Arbeit, die gerade nicht Priorität hat. Das ist keine Schwäche – das ist die logische Reaktion auf ein langsames System.

6. Command & Control

Führungskräfte, die alles entscheiden müssen, werden zum Flaschenhals. Nicht weil sie schlechte Führungskräfte sind – sondern weil das System so gebaut ist. Und ein Flaschenhals skaliert nicht.

Was stattdessen funktioniert

Eine Organisation, die wirklich liefert, braucht keine 50-Stunden-Woche. Sie braucht:

  • Klare Vision und Fokus – wenige Projekte, konsequent zu Ende gebracht
  • Psychologische Sicherheit – Grundlage für echtes Selbstmanagement
  • Dezentrale Entscheidungen – 24-Stunden-Entscheidungen statt 4-Monats-Prozesse
  • Einfachheit – was weggelassen werden kann, sollte weggelassen werden
  • Freiheit – Systeme, in denen Mitarbeiter mitdenken dürfen und wollen

In 38 Stunden im richtigen System wuppt ein Team mehr als in 55 Stunden im falschen. Das ist keine Utopie – das erlebe ich regelmäßig mit meinen Kunden.

Der Impuls

Du brauchst keine große Transformation, um anzufangen. Fang mit einer Frage an:

Wie viele Projekte laufen bei euch parallel – und was passiert, wenn du die Hälfte streichst?

Wenn die Antwort "dann bricht alles zusammen" lautet, dann ist das nicht ein Argument gegen weniger Projekte. Es ist die Diagnose, dass dein System bereits an seiner Grenze arbeitet – und der nächste Impuls es zum Kippen bringen wird.

Ich finde das klemmende Zahnrad. Ich baue das System, das den Unterschied macht. Und dann setze ich den Impuls – und gehe, wenn die Kettenreaktion läuft.

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About the author 

Marc Löffler

Marc Löffler ist Keynote-Speaker, Autor und Mentor für passionierte Scrum Master. Er befasst sich schon seit 2005 leidenschaftlich mit agilen Methoden, wie z.B. Scrum, Kanban oder eXtreme Programming. Bevor er mit dem Thema Agilität in Berührung gekommen war, hat er als zertifizierter Projektmanager (IPMA) bei Firmen wie Volkswagen, Siemens und EADS erfolgreich multinationale Projekte geleitet. Mit Begeisterung hilft er Unternehmen dabei, agile Werte zu verstehen und genau die Form von Agilität zu finden, die zum jeweiligen Unternehmen passt. Dabei nutzt er sein PASSION Modell, um die jeweilige Situation zu analysieren und sinnvolle nächste Schritte hin zur passionierten, agilen Organisation zu definieren. Er liebt es, neue Einsichten zu generieren, und unterstützt Unternehmen dabei, Probleme aus kreativen, neuen Blickwinkeln zu betrachten. Seit September 2018 ist er zertifizierter Professional Speaker GSA (SHB) mit der besten Keynote seines Jahrgangs. Im Jahr 2014 erschien sein Buch „Retrospektiven in der Praxis“ beim dpunkt.verlag. Im Jahr 2018 folgte das Buch „Improving Agile Retrospectives“ bei Addison Wesley. Im Februar 2022 folgte dann das Buch "Die Scrum Master Journey" beim BusinessVillage Verlag.

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