Februar 17, 2026

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Während in vielen Unternehmen noch darüber diskutiert wird, ob das Daily 15 oder 20 Minuten dauern darf, testet der Wettbewerb längst Hypothesen am Markt. Zwei davon sind schon verworfen, aus einer ist gelernt worden – und genau das ist heute der entscheidende Punkt. In der aktuellen Wirtschaftslage ist Langsamkeit kein operativer Makel mehr. Sie ist ein echtes Risiko. Geschwindigkeit ist zur einzigen Versicherung gegen Irrelevanz geworden.

Wer am schnellsten lernt, gewinnt. Wer starr am Plan festhält, verliert.

Langsamkeit ist kein Schönheitsfehler mehr

Ich erlebe immer wieder Organisationen, die eigentlich wissen, was zu tun wäre, aber nicht ins Handeln kommen. Ein konkretes Beispiel: Ein Team liefert seit Monaten nicht das, was erwartet wird. Die Reviews sind dünn, der Fortschritt gering. Also werde ich geholt, analysiere das Team, entwickle innerhalb weniger Wochen mehrere Lösungsoptionen und spreche eine klare Empfehlung aus.

Dann passiert Folgendes:
Eine Woche Entscheidungszeit.
Noch eine Abstimmung.
Noch ein internes Konzept.
Noch ein Monat.
Noch zwei Monate.

Am Ende vergehen vier bis fünf Monate, bevor überhaupt gestartet wird. Monate, in denen man hätte lernen können. Fehler machen, korrigieren, besser werden. Stattdessen wartet man auf den perfekten Start. Den es nicht gibt.

Das kann man sich vielleicht noch leisten, wenn man gerade sehr gut im Markt steht. Dauerhaft ist es der sichere Weg in den Untergang.

Perfektion bremst – Lernen braucht Bewegung

„Made in Germany“ steht oft für Perfektion. Für Qualität. Für saubere Planung. Das ist nicht grundsätzlich falsch, wird aber dann gefährlich, wenn Perfektion zum Stillstand führt. Gerade in komplexen, unsicheren Umfeldern entsteht Geschwindigkeit nicht durch mehr Planung und nicht durch mehr Menschen.

Große Teams sind nicht automatisch schneller. Im Gegenteil: Je mehr Menschen beteiligt sind, desto höher wird der Koordinationsaufwand. Fokus geht verloren, Prioritäten verschwimmen, Abhängigkeiten blockieren den Fortschritt. Oft sind kleinere, fokussierte Teams deutlich schneller als riesige Einheiten mit parallelen Projekten und unklarer Verantwortlichkeit.

Geschwindigkeit entsteht durch Fokus. Und durch die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren, statt sie endlos abzusichern.

Planung ist gut – aber bitte richtig

Natürlich braucht es Planung. Niemand sagt, dass man völlig planlos arbeiten soll. Aber was in vielen Unternehmen immer noch passiert, ist absurd: Jahresplanungen, Budgetfestlegungen und Roadmaps weit im Voraus – oft zu einem Zeitpunkt, an dem man noch nicht einmal weiß, was im laufenden Jahr alles passieren wird.

In dem Moment, in dem Budgets, Projekte und Kapazitäten auf Monate oder Jahre festgezurrt werden, schränkt man die eigene Reaktionsfähigkeit massiv ein. Flexibilität wird zur Illusion. Agilität unmöglich.

Sinnvoller ist eine rollierende Planung:

  • Eine grobe Richtung für die nächsten Monate
  • Eine detaillierte Planung für den nächsten Monat
  • Regelmäßige Anpassungen alle paar Wochen

Alles andere erzeugt vor allem eines: das gute Gefühl, beschäftigt zu sein. Wert entsteht dadurch nicht.

Die unterschätzteste Waffe: Feedback-Schleifen

Agilität lässt sich auf eine Sache herunterbrechen: Feedback-Loops. Je kürzer sie sind, desto schneller lernst du. Je schneller du lernst, desto besser kannst du reagieren. Und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, am Markt zu bestehen.

Feedback-Schleifen sind kein Selbstzweck. Sie sind ein Instrument zur Risikominimierung und Umsatzsicherung. Entscheidend ist aber: Feedback allein reicht nicht. Es muss Konsequenzen haben. Inspect & Adapt heißt, dass ich mein Handeln anpasse – nicht, dass ich nur neue Informationen sammle und dann weitermache wie bisher.

Moderne Softwareunternehmen releasen nicht einmal im Jahr. Sie releasen mehrfach am Tag. Nicht, weil sie Chaos lieben, sondern weil sie so kontinuierlich lernen.

80 % heute schlagen 100 % immer

Einer der größten Denkfehler: Wir glauben, wir müssten mit der perfekten Lösung starten. Dabei ist „Done is better than perfect“ kein Kalenderspruch, sondern eine Überlebensstrategie.

Liefer heute 80 %, um echte Daten zu bekommen. Teste Annahmen, bevor du sie monatelang ausformulierst. Das gilt nicht nur für Software. Auch im Hardware-Umfeld gibt es Wege: Prototypen, 3D-Druck, Pretotyping. Es geht darum, früh zu überprüfen, ob eine Idee überhaupt trägt – nicht darum, sie bis zur Perfektion zu polieren.

Data over Opinion. Hör auf, in Meetings zu raten. Geh zum Kunden. Hol dir echtes Feedback. Beobachte Nutzung. Miss Wirkung.

Entscheidungen brauchen Tempo

Eine einfache Regel: Wenn eine Entscheidung länger als 24 Stunden dauert, seid ihr zu langsam. Nicht, weil jede Entscheidung perfekt sein muss – sondern weil Nicht-Entscheiden Lernen verhindert.

Ja, es werden Fehler passieren. Gut so. Daraus kann man lernen. Wenn man aber monatelang abwägt, verzögert man sein Lernen künstlich. Genau das ist in vielen Organisationen das eigentliche Problem.

Fünf Fragen, die dich schneller machen

Zum Schluss fünf Fragen, die du dir – am besten direkt morgen – stellen kannst:

  1. Was ist das absolut Kleinste, das wir heute live bringen können, um echtes Marktfeedback zu bekommen?
  2. Welche Regel, welches Meeting oder welcher Prozess hindert uns gerade aktiv daran, echten Wert zu liefern?
  3. Wenn wir das Hauptproblem des Kunden morgen lösen müssten – was würden wir sofort weglassen?
  4. Trauen wir uns, die unangenehme Wahrheit auszusprechen, oder reiten wir gerade ein totes Pferd?
  5. Zahlt das, was wir gerade tun, direkt auf Umsatz oder ein echtes Kundenproblem ein – oder nur auf das Backlog?

Agilität ist kein Stuhlkreis. Sie ist eine hochwirksame Strategie, um in einer unsicheren Welt Geld zu verdienen. Wegen kurzer Feedback-Schleifen. Wegen schnellem Lernen. Wegen echter Anpassungsfähigkeit.

Wenn du bereit bist, deine Konkurrenz nicht durch bessere PowerPoint-Folien, sondern durch Geschwindigkeit zu schlagen, dann fang an zu liefern. Jetzt.

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About the author 

Marc Löffler

Marc Löffler ist Keynote-Speaker, Autor und Mentor für passionierte Scrum Master. Er befasst sich schon seit 2005 leidenschaftlich mit agilen Methoden, wie z.B. Scrum, Kanban oder eXtreme Programming. Bevor er mit dem Thema Agilität in Berührung gekommen war, hat er als zertifizierter Projektmanager (IPMA) bei Firmen wie Volkswagen, Siemens und EADS erfolgreich multinationale Projekte geleitet. Mit Begeisterung hilft er Unternehmen dabei, agile Werte zu verstehen und genau die Form von Agilität zu finden, die zum jeweiligen Unternehmen passt. Dabei nutzt er sein PASSION Modell, um die jeweilige Situation zu analysieren und sinnvolle nächste Schritte hin zur passionierten, agilen Organisation zu definieren. Er liebt es, neue Einsichten zu generieren, und unterstützt Unternehmen dabei, Probleme aus kreativen, neuen Blickwinkeln zu betrachten. Seit September 2018 ist er zertifizierter Professional Speaker GSA (SHB) mit der besten Keynote seines Jahrgangs. Im Jahr 2014 erschien sein Buch „Retrospektiven in der Praxis“ beim dpunkt.verlag. Im Jahr 2018 folgte das Buch „Improving Agile Retrospectives“ bei Addison Wesley. Im Februar 2022 folgte dann das Buch "Die Scrum Master Journey" beim BusinessVillage Verlag.

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