by marc

Juni 24, 2021

Ich stelle hier mal eine provokative These auf: 
Wenn man die Scrum Master Rolle nicht ständig und überall so verwässern würde, dann könnte man ohne weiteres auf die Rolle des Agile Coach im Unternehmen verzichten.

Klingt erstmal radikal, oder? Aber bevor Du gleich wieder gehst, solltest Du vielleicht erst einmal reinhören (siehe oben) oder hier lesen, wie ich das meine.

Scrum Master als True Leader

Im November 2020 wurde Scrum 25 Jahre alt. Im gleichen Zuge wurde der Scrum Guide angepasst. Eine der Änderungen war, dass man den Scrum Master vom "Servant Leader" zum "True Leader" verändert hat. Mit dieser Änderung wollte man noch einmal explizit darauf hinweisen, dass ein Scrum Master eben nicht NUR auf Teamebene arbeitet sondern auch am System drumherum. 

Und ja, das macht Sinn. Ich kann ein Team nicht auf das nächste Level bringe, wenn ich nur innerhalb der Grenzen des Teams arbeite. Das Team und ich als Scrum Master müssen das System aktiv mitgestalten, damit wir als Team besser arbeiten können. In meinem PASSION Modell kannst Du übrigens sehen, welches diese Hebel sind, um die man nicht herum kommt. 

Und genau hier haben wir die erste Überschneidung mit der Rolle des Agile Coaches. In den meisten Firmen gibt es die Aufteilung, dass der Scrum Master rein auf Teamebene arbeitet und der Agile Coach am System (Organisation, Struktur, Prozesse, usw.). Diese Trennung macht aus meiner Sicht aber gar keinen Sinn.

Viel Scrum Master = mehr Macht

Mal ganz ehrlich: Wer hat schon einmal eine erfolgreiche agile Transformation gesehen, die mehr oder weniger zentral von einem oder mehreren Agile Coaches "gesteuert" wurde. Es ist doch viel sinnvoller viele, kleine "Veränderungsfeuer" zu legen, um die agile Idee nach und nach ins Unternehmen zu tragen. Und genau das ist die Aufgabe der ganzen Scrum Master im Unternehmen. Die werden nicht umsonst als "Change Agents" bezeichnet. 

Wenn sich diese dann noch in einer Community of Practice organisieren, kann man an mehreren Stellen im Unternehmen gleichzeitig für eine agile Umgebung schaffen. Zusätzlich haben mehrere Scrum Master die sich zusammen tun eine ganz andere Macht, als wenn nur einzelne Personen an der agilen Transformation arbeiten.

Ein weiterer Vorteil ist das Thema "Skin in the game". Die Scrum Master sind Teil der Teams und nicht ausserhalb und müssen Entscheidungen und Veränderungen mittragen. Das Commitment ist so ein ganz anderes. 

Jetzt könnte man natürlich fragen, wer das ganze koordiniert? Braucht man dazu nicht einen oder mehrere Agile Coaches? Gegenfrage: Was genau machen eigentlich die ganzen agilen Führungskräfte? 

Scrum Master kann ja jeder

Das Problem in vielen Unternehmen ist immer noch, dass der Rolle des Scrum Masters nicht die Wichtigkeit beigemessen wird, die ihr eigentlich gebührt. Immer wieder werde auch ich gefragt, was der Scrum Master denn den ganzen Tag macht? Das kann man doch gut nebenher machen, oder? Am einfachsten wäre es doch, wenn die Führungskräfte gleich mit übernehmen.

So kommt es, dass viele Scrum Master Stellen entweder garnicht besetzt werden oder frische Studienabgänger die Aufgabe übernehmen. Kein Wunder, dass die Rolle in vielen Unternehmen nicht den Effekt hat, den sie haben könnte. Wie denn auch, wenn diese ständig mit unerfahrenen und schlecht ausgebildeten Scrum Mastern besetzt werden. Wenn ich mir die Tagessätze von so manchen externen Scrum Master ansehe, dann treibt es mir die Tränen in die Augen.

Der Ausweg für viele: sie machen den Job des Scrum Master für vielleicht ein Jahr und nennen sich danach "Agile Coach". Leider sagt dieser Titel nichts über die Erfahrung der jeweiligen Person aus. Auch die aktuell aus dem Boden spriessenden Agile Coaching Ausbildungen werden daran nichts ändern. Ein Zertifikat sagt nichts über die Fähigkeiten einer Person aus.

Fazit

Wir brauchen nicht noch mehr schlecht ausgebildete und unerfahrene Agile Coaches! Wir brauchen mehr gute, erfahrene und exzellent ausgebildete Scrum Master. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Rolle wieder an Wert gewinnt.

Und ja, mir ist klar das Scrum nur eine agile Methode von vielen ist. Bei einer anderen Methode mag die Rolle anders heißen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir mehr Menschen mit den Fähigkeiten hervorragender Scrum Master brauchen. Diese Menschen machen in jeder agilen Transformation Sinn.

Und wenn Du wissen möchtest, wie Du als Scrum Master auf das nächste Level kommst, dann schau Dir doch mal meine Scrum Master Journey an und werde Teil einer immer größer werdenden Scrum Master Community.

Meine Mission ist es mehr hervorragende Scrum Master auszubilden, die dazu in der Lage sind, das Potential JEDES Teammitglieds zu heben. Scrum Master die Unternehmenskulturen verstehen und beeinflussen können und die wissen, wie man das Selbstmanagement im Team fördert und vieles mehr. Lust mich zu begleiten?

About the author 

marc

Marc Löffler ist selbständiger Agile Coach, Autor und Keynote-Speaker. Er befasst sich leidenschaftlich mit agilen Managementmethoden. Bevor er mit agilen Methoden in Berührung gekommen ist, hat er als zertifizierter Projektmanager bei Firmen wie Volkswagen, Siemens und EADS gearbeitet. Mit Begeisterung hilft er Unternehmen dabei, agile Werte zu verstehen und zu leben. Er liebt es, neue Einsichten zu generieren, und unterstützt Teams dabei, Probleme aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Seit September 2018 ist er zertifizierter Professional Speaker GSA (SHB) mit der besten Keynote seines Jahrgangs. Im Jahr 2014 erschien sein Buch „Retrospektiven in der Praxis“ beim dpunkt.verlag. Im Jahr 2018 folgte das Buch „Improving Agile Retrospectives“ bei Addison Wesley.

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