by marc

April 22, 2021

Nächste Woche halte ich bei der Scrum User Group Stuttgart einen Vortrag mit dem wunderbaren Titel: "Worst Practise - So fährt Du Deine Scrum Implementierung gegen die Wand". Das habe ich zum Anlass genommen diesen leicht satirischen Blogartikel zu schreiben. Wenn Du also unbedingt dafür sorgen möchtest, dass Deine Scrum Implementierung scheitert, dann bist Du hier genau richtig 😉

Das ganze kannst Du Dir auch hier anhören:

Du hast keine Lust auf einen Podcast, dann kommt hier das ganze in schriftlicher Form. VORSICHT! SATIRE!

Scrum Master Rolle in Frage stellen

Eine Rolle, die nicht wirklich arbeitet? Wer ist denn auf diese dämliche Idee gekommen? Das kann man doch sicher weglassen oder jemanden im Team als zusätzliche Rolle aufdrücken, oder? Wie wäre es mit einem der Entwickler oder besser noch: dem Product Owner!

Scrum als reinen Prozess sehen

Was es mit diesen komischen agilen Prinzipien auf sich hat, habe ich noch nie verstanden. Auch diese seltsamen Scrum Werte verwirren doch mehr, als dass sie wirklich helfen. Am besten exerziert man die einzelnen Elemente von Scrum knallhart durch und verwendet Scrum als reinen Prozess. Noch besser: man ändert an der eigentlichen Arbeitsweise überhaupt nichts und stülpt Scrum als eine Art "Deckmantel" darüber. Sieht doch schon sehr agil aus, oder?

Retrospektive weglassen

Zusammensitzen und darüber philosophieren, was gut und was schlecht war? Klingt doch sehr nach esoterischem Rumgequatsche. Völlige Zeitverschwendung! Warum soll man Dinge verändern, die schon immer gut funktioniert haben? Ausheulen kann man sich zu Hause!  

Review weglassen

Für was haben wir das Lastenheft mit dem Kunden zusammen erarbeitet, wenn er jetzt ständig Änderungswünsche im Review einbringen kann. Das nervt nur und hält uns nur von der Arbeit ab. Wir wissen schon, was wir tun und es reicht völlig, wenn wir dem Kunden zum Schluss das Endergebnis präsentieren. Wenn ihm das nicht passt, dann hätte er halt die Anforderungen besser definieren müssen.

Alle "alten" Meetings beibehalten

Nur weil jetzt Scrum mit diesen tausenden von nutzlosen Meetings daherkommt, heißt das noch lange nicht, dass wir jetzt alle unsere bewährten Meetings absagen; das wäre ja noch schöner. Jetzt haben wir zwar noch weniger Zeit zu arbeiten, aber daran ist ganz klar Scrum Schuld. 

Meine Mission ist es, Scrum Master, Agile Coaches und Führungskräfte dazu zu befähigen, dass JEDER sein volles Potential ausschöpfen kann. Lust mich zu begleiten?

Möglichst viel parallel

Der Druck vom Markt ist extrem hoch. Das ist auch einer der Gründe, warum wir aktuell an so vielen Projekten parallel arbeiten. Das können wir auf keinen Fall ändern, nur weil Scrum eine 100%ige Teamzugehörigkeit fordert. Unsere Mitarbeiter müssen nunmal in 3,4 oder mehr Projekten parallel arbeiten, dass lässt sich nicht ändern. Das heißt natürlich auch, dass sie z.B. an 3,4 oder mehr Dailys teilnehmen müssen. That's life 😤

Product Owner als "Handpuppe"

Und dann diese Forderung für die Product Owner Rolle: der PO trifft alle produktbezogenen Entscheidungen. Geht's noch? Wir können doch solch wichtige Entscheidungen nicht an das Fußvolk abgeben. Das wird weiterhin in unseren Steuerunggremien entschieden. Der Product Owner ist dann lediglich der Überbringer der Nachrichten an das Scrum Team. 

Daily als Statusreporting

Einen Vorteil hat dieses Daily ja: wir können endlich kontrollieren, ob wirklich gearbeitet wird. Jeden Morgen gibt es diesen wunderschönen Rapport mit Klemmbrett, bei dem die einzelnen Teammitglieder nachweisen müssen, ob sie am Tag zuvor auch etwas geleistet haben. Vielleicht ist dieses Scrum doch nicht soooo schlecht...🤔

Sprint Backlog als Kontrollinstrument

Irgendwie komme ich so langsam auf den Geschmack. Dieses Transparenz-Ding hat auch seine Vorteile. Endlich kann ich am Sprint Backlog kontrollieren, wer wieviel in welchem Zeitraum gearbeitet hat. So komme ich den "Lazy Buggers" besser auf die Schliche und kann die einzelnen Teammitglieder miteinander vergleichen. Die schlechtesten 10% sortiere ich dann jedes Jahr aus.

Führungskräfte in die Retrospektive

Führungskräfte dürfen nicht in die Retrospektive? So ein Blödsinn! Was soll das Team schon groß ändern, ihnen fehlt dafür schlicht und ergreifend die nötige Macht. Ausserdem haben sie sowieso keinen Ahnung wo die wirklichen Probleme liegen, dass kann ich ihnen genauso gut direkt sagen. Ist am Ende auch zeitsparender. 

Fehler hart bestrafen

Fehlerkultur? Im Gegenteil, wir können uns keine Fehler leisten. Deshalb muss jeder einzelne Fehler hart bestraft werden! Wo kommen wir denn hin, wenn jeder meint er könnte die bestehenden Prozesse und Arbeitsweisen in Frage stellen? Das kann doch nur im absoluten Chaos enden!

Ich könnte endlos weiter schreiben. Im Podcast habe ich noch mindestens 20 weiter Ideen gesammelt. Vielleicht willst Du ja doch mal reinhören?

About the author 

marc

Marc Löffler ist selbständiger Agile Coach, Autor und Keynote-Speaker. Er befasst sich leidenschaftlich mit agilen Managementmethoden. Bevor er mit agilen Methoden in Berührung gekommen ist, hat er als zertifizierter Projektmanager bei Firmen wie Volkswagen, Siemens und EADS gearbeitet. Mit Begeisterung hilft er Unternehmen dabei, agile Werte zu verstehen und zu leben. Er liebt es, neue Einsichten zu generieren, und unterstützt Teams dabei, Probleme aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Seit September 2018 ist er zertifizierter Professional Speaker GSA (SHB) mit der besten Keynote seines Jahrgangs. Im Jahr 2014 erschien sein Buch „Retrospektiven in der Praxis“ beim dpunkt.verlag. Im Jahr 2018 folgte das Buch „Improving Agile Retrospectives“ bei Addison Wesley.

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