Oktober 26, 2016

Ameisen auf Pflanzen

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Mit einer der größten Mythen der heutigen Zeit ist es, dass unternehmensweite Prozesse und Tools Synergien freisetzen. Was in der Produktion, also bei sich wiederholenden Prozessen, noch funktionieren mag, ist in der Produktentwicklung totaler Irrsinn. Ich habe noch keine Firma erlebt, die davon in irgendeiner Form profitiert hat, im Gegenteil. Globale Prozesse und Tools verlangsamen die Entwicklung, schränken die Innovationsfähigkeit ein und mindern die Effizienz von Entwicklungsteams. Aber woran liegt das?

Ein globaler Produktentwicklungsprozess ist vor allem eines: eine eierlegende Wollmilchsau. Er muss sowohl kleine Projekte, als auch größerer Vorhaben abdecken können. Ich hatte mal das Vergnügen in einer Firma zu arbeiten, die von rein mechanischen (teils OHNE bewegliche Teile) bis zu kompletten IT-Lösungen alles selbst entwickelte. Der Entwicklungsprozess musste selbstverständlich alle diese Fälle abdecken. Man kann sich vorstellen, wie komplex ein solcher Prozess ist. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit „tailoring“.

Das Resultat ist ein Prozess, der erst aufwändig geschult werden muss (meist in einschläfernden PowerPoint-Schlachten) und ihn am Ende trotzdem keiner versteht. Ein Prozess, der dazu führt, das Arbeiten durchgeführt werden müssen, die keinerlei Mehrwert für den eigentlichen Kunden haben und somit keinen Wert für das Unternehmen generieren.

Ein ähnliches Problem hat man, wenn man ein globales Tool für das Unternehmen einführen muss. Zuerst werden alle Abteilungen nach ihren Anforderungen gefragt, und darauf basierenden kauft man dann eine Software ein, die all diese Anforderungen erfüllt. Kurz gesagt: ein Monster. Für die einen ist die Software viel zu komplex und die anderen jammern, weil ihnen wichtige Funktionen fehlen. Am Ende hasst jeder die Software und muss sie dennoch nutzen. Die Verlustleistung die dadurch generiert wird, ist immens.

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Lasst die Teams entscheiden, wie sie arbeiten wollen. Sie wissen am besten, wie sie ihre Aufgabe möglichst effektiv erledigen können. Das gleiche gilt für die Werkzeuge, welche sie einsetzen. Nur wenn ein Team möglichst unabhängig solche Entscheidungen treffen darf, kann sich ein passioniertes Team bilden.

About the author 

Marc Löffler

Marc Löffler ist Keynote-Speaker, Autor und Mentor für passionierte Scrum Master. Er befasst sich schon seit 2005 leidenschaftlich mit agilen Methoden, wie z.B. Scrum, Kanban oder eXtreme Programming. Bevor er mit dem Thema Agilität in Berührung gekommen war, hat er als zertifizierter Projektmanager (IPMA) bei Firmen wie Volkswagen, Siemens und EADS erfolgreich multinationale Projekte geleitet. Mit Begeisterung hilft er Unternehmen dabei, agile Werte zu verstehen und genau die Form von Agilität zu finden, die zum jeweiligen Unternehmen passt. Dabei nutzt er sein PASSION Modell, um die jeweilige Situation zu analysieren und sinnvolle nächste Schritte hin zur passionierten, agilen Organisation zu definieren. Er liebt es, neue Einsichten zu generieren, und unterstützt Unternehmen dabei, Probleme aus kreativen, neuen Blickwinkeln zu betrachten. Seit September 2018 ist er zertifizierter Professional Speaker GSA (SHB) mit der besten Keynote seines Jahrgangs. Im Jahr 2014 erschien sein Buch „Retrospektiven in der Praxis“ beim dpunkt.verlag. Im Jahr 2018 folgte das Buch „Improving Agile Retrospectives“ bei Addison Wesley. Im Februar 2022 folgte dann das Buch "Die Scrum Master Journey" beim BusinessVillage Verlag.

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