10 todsichere Ideen sein Team zu demotivieren

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Geht es Ihrem Team zu gut? Läuft es schon seit Wochen rund? Dann wird es vielleicht Zeit, auf die Bremse zu treten. Die folgenden 10 Möglichkeiten sind ideal, wenn Sie die Passion in Ihrem Team zerstören wollen.

1 – Individuelle Boni

Viele Firmen glauben immernoch, dass Bonusvereinbarungen eine gute Idee sind. Ganz besonders schlimm ist es, wenn diese Bonusvereinbarungen individuell sind und jeder in der Organisation mehr oder weniger eigene Ziele verfolgt. Ganz abgesehen davon, dass Bonusvereinbarungen in den seltensten Fällen tatsächlich funktionieren, haben individuelle Bonusvereinbarungen noch nie geholfen. Stellen Sie sich ein Team vor, dass aus Mitarbeitern verschiedener Abteilungen besteht und jeder hat andere Ziele. Dort in kritischen Situationen einen Konsens zu finden ist nahezu unmöglich.

2 – Keine klare Vision

Vor vielen Jahren durfte ich einmal in einem Projekt arbeiten, dass in mehrere Projektteams, verteilt über ganz Europa, aufgeteilt war. Jedes Projektteam hatte eine dedizierte Aufgabe. Aber alle Teams hatten eines gemeinsam: keines kannte das Gesamtprodukt, das entstehen sollte. In der Regel erhielten die Teams die Arbeit, indem ein Produktmanager Anforderungen „über den Zaun“ warf, welche implementiert werden sollte. Keines der Teams hatte eine klare Vision. Niemand wusste genau, was das gemeinsame Ziel war. Entsprechend war die Motivation im Team. Es herrschte eine „ist mir doch egal“-Einstellung, welche sich auch auf die Qualität des Produkts auswirkte. Fehlt eine inspirierende, antreibende Vision, ist das der erste Schritt ins Desaster.

3 – Unternehmensweit geltende Prozesse

In einer meiner letzten Firmen hatte ich das Vergnügen, der Einführung eines Global Produkt Entwicklungsprozesses „beizuwohnen“. Dieser Prozess galt sowohl für die Entwicklung neuer chirurgischer Instrumente (z.B. ein neues Skalpell), als auch kompletter IT-Systeme. Man kann sich vorstellen, wie unhandlich dieser Prozess war, musste er ja alle möglichen Fälle abdecken. Entsprechend groß war der Klotz an den Beinen der Teams, die mindestens 50% ihrer Zeit damit verbrachten, den Vorgaben des Prozesses zu folgen und die entsprechenden Dokumente zu erstellen. Solche Prozesse senken die Motivation und Produktivität eines Teams immens. Witzigerweise glauben heute noch viele Firmen, dass solche Prozesse die Synergien und damit die Produktivität steigern. Ein Spaß für jedes Produktentwicklungsteam…

4 – Teamzusammenstellung nach Verfügbarkeit

Wer kennt das nicht? Für ein neues Projekt werden 7 „Ressourcen“ benötigt. Anstatt die Mitarbeiter nach Ihren Fähigkeiten und sich ergänzenden Stärken und Schwächen auszuwählen, wird lediglich nach verfügbaren „Ressourcen“ gesucht und diese dann in ein Team gesteckt. In vielen Fällen sind diese dann noch 2-3 anderen Projekten zugewiesen. So kreiert man ein Team, bei dem schon von Anfang an der Konflikt vorprogrammiert ist. Außerdem stellt sich nicht selten heraus, dass wichtiges Wissen fehlt, um die Aufgabe in der notwendigen Zeit und Qualität zu erledigen. Machen Sie ruhig weiter so, dann brauchen Sie sich um das Thema Motivation keine Gedanken mehr machen.

5 – Ignorieren Sie den Kontext

Ein Prozess hat in Ihrer letzten Firma einwandfreie Ergebnisse geliefert? Dann kopieren Sie den doch einfach in die neue Organisation, der Erfolg ist vorprogrammiert. Ist er leider nicht! Es gibt kaum einen größerern Fehler, als den jeweiligen Kontext zu ignorieren. Es gibt KEINEN größereren Prozess , den man 1-1 erfolgreich von einem Kontext in den anderen übertragen kann. Erst recht nicht in sehr große Firmen, die eine starke eigene Kultur haben. Wer also meint, er könnte beispielsweise Scrum genau nach Buch bei sich einführen, der wird bald merken, dass er nach kurzer Zeit an Grenzen stösst. Wer seinen eigenen Kontext ignoriert und blind Dinge von A nach B kopiert, schafft das ideale Umfeld für demotivierte Mitarbeiter.

6 – Ziehen Sie ständig Mitarbeiter ab

Einer meiner Lieblingsprüche ist: „Stop starting, start finishing“. Leider halten sich immernoch viel zu wenige Unternehmen an diesen Grundsatz. Die Folge: Tausende gestartete Projekte, von denen keines wirklich fertig wird. Ständig werden Mitarbeiter von einem Projekt abgezogen und anderen, wichtigeren Projekten zugewiesen. Ein richtiges Team kann so nie entstehen.

7 – Machen Sie Entscheidungen intransparent

Mitarbeiter lieben es, wenn Sie unter den Entscheidungen des Managements leiden müssen, aber nie gesagt bekommen, warum. So kann man die Gerüchteküche wunderbar anheizen. Das ging einmal soweit, dass die Mitarbeiter einer Niederlassung dachten, ihr Standort würde geschlossen. An einem anderen Standort wurde verstärkt eingestellt, und daraus schlossen die Kollegen, dass der eigene Standort bald nicht mehr existieren würde. Man kann sich vorstellen, wie sich das auf die Motivation der Mitarbeiter ausgewirkt hat. Wunderbar…

8 – Tolerieren Sie keine Fehler

Ein Mitarbeiter hat einen Fehler gemacht? Feuern Sie ihn! So zeigen Sie allen anderen Mitarbeitern, dass Fehler nicht toleriert werden. Gleichzeitig setzen Sie ein Zeichen, dass Experimente keine gute Idee sind, weil diese ja scheitern könnten. Das Ergebnis: Mitarbeiter, die sich nichts mehr trauen, Stillstand im Unternehmen, keine Innovation und zu guter letzt auch keine Motivation. Jeder macht Dienst nach Vorschrift und die Firma kann sich schon bald einreihen in die Liste gescheiterter Unternehmen.

9 – Investieren Sie nicht in Ihre Mitarbeiter

Schulungen und Ausbildungen sind teuer und Sie haben sicher schon genug andere Investments, die Sie tätigen müssen. Ausserdem macht es keinen Sinn in seine Mitarbeiter zu investieren, da sie am Ende sicher kündigen und bei der Konkurrenz anfangen. Und das wollen Sie natürlich nicht. Ich habe schon erlebt, dass Entwickler ein halbes Jahr darauf warten mussten, um die Genehmigung zu erhalten auf eine Entwicklerkonferenz zu gehen. Als die Genehmigung dann endlich da war, war die Konferenz schon vorüber. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Selbstmotivation.

10 – Ignorieren Sie die Stärken der einzelnen Teammitglieder

Viele Unternehmen machen den Fehler, sich auf die Schwächen der einzelnen Mitarbeiter zu fokussieren. Dabei entgeht Ihnen das größte Potential: Die bereits existierenden Stärken. Cisco hat Anfang des Jahres untersucht, was die erfolgreichen Teams von den weniger erfolgreichen unterscheidet. Das wichtigste Element der erfolgreichen Teams war, dass die einzelnen Teammitglieder ihre Stärken im Projekt einsetzen konnten. Teams bei denen die Stärken ignoriert wurden, schnitten entsprechend besser ab und sind somit ein weiterer erfolgsversprechender Ansatz, um die Motivation im Team zu senken.

Was fällt Ihnen noch ein? Habe ich etwas vergessen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

 

  • Chefs die es besser wissen als das Team, wie ein Problem zu lösen ist. Vorallem wenn sie den Kontext nicht kennen sehn abgebracht.

    Verkäufer die schon mal verkaufe haben, und das Team darf des Unmögliche nun in unrealistischem Rahmenbedingungen hinzaubern.

    Arbeit so unter verschiedenen Teams aufteilen, dass dich diese ständig auf den Füssen herum stehen.

    Uralte Technologie einsetzen, so dass man nirgend sonst mehr einen Job finden wird.