Scrum

5 Dinge an denen man erfolgreiche Scrum Teams erkennt

Es gibt mittlerweile tausende Teams weltweit, die Scrum praktizieren. Trotzdem behaupte ich, dass nur ein kleiner Teil dieser Teams Scrum wirklich lebt und damit erfolgreich ist. Aus meiner Sicht kann man erfolgreiche Teams an den folgenden Punkten erkennen:

1 – Kontinuierliches Lernen

Viele agile Teams werden mit der Zeit faul. Insbesondere dann, wenn es augenscheinlich gut läuft. Man lehnt sich zurück und die kontinuierliche Weiterentwicklung gerät ins Stocken. Man bleibt also in seiner kuschelig, warmen Komfortzone und hat nicht so recht Lust den nächsten Schritt zu gehen. Dies führt dazu, dass die Ergebnisse des Teams nach und nach immer schlechter werden und die Vorteile, die ein agile Prozess bringen kann, verblassen. Wenn z.B. ein Sprint Planning, nach einem halben Jahr noch genau gleich abläuft wie zu Beginn der agilen Reise, dann ist das Team auch nicht agil unterwegs. Im idealen Fall sieht ein Scrum Prozess nach einem Jahr komplett anders aus, als am Anfang der agilen Transition.

Warum das so ist, ist klar: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und um Gewohnheiten zu ändern, braucht es immer eine Gewisse Energie und ein klares Ziel vor Augen. Charles Duhigg hat dazu ein wundervolles Buch geschrieben: The Power of Habit: Why We Do What We Do, and How to Change.

Genau hier kommt der Scrum Master ins Spiel, dessen Aufgabe es ist, das Team immer wieder daran zu erinnern, dass es noch besser geht. Gleichzeitig muss er zusammen mit dem Product Owner und den Stakeholdern sicher stellen, dass die Ziele, welche mit dem Produkt erreicht werden sollen, für das Team immer transparent sind und vor allem attraktiv. Leider ist das Thema der fehlenden Produktvision und fehlender Ziele weit verbreitet. Dabei gibt es zu diesem Thema sehr schöne und vor allem effektive Methoden, wie z.B. Impact Mapping.

2 – Gegenseitiges Unterstützen

Ein weiteres Merkmal eines erfolgreichen Scrum Teams ist die gegenseitige Unterstützung. Allzu oft, sitzt jedes Teammitglied alleine vor dem Rechner und arbeitet an seiner Aufgabe. Pair Programmig? Fehlanzeige! Oft trauen sich die einzelnen Personen nicht, nach Hilfe zu fragen und versuchen sich selbst durch zu kämpfen. Dummerweise führt dieses Verhalten zu einer extremen Verlangsamung des Teams und am Ende zu einer schlechteren Produktqualität.

Das Fragen nach Hilfe ist in guten Scrum Teams kein Problem, sondern an der Tagesordnung. Schon beim Betreten des Teamraums kann man anhand der „Köpfe pro Rechner“ sehen, wie es um die gegenseitige Unterstützung bestellt ist. In guten Teams sitzen zu jeder Zeit mindestens zwei Personen zusammen vorm Rechner. Je mehr, desto besser.

Die Aufgabe des Scrum Masters ist es eine Kultur des gegenseitigen Unterstützen zu generieren. Sei es, indem er im Daily explizit fragt, ob jemand Hilfe braucht oder zusammen mit dem Team eine Pairing Matrix aufstellt.

3 – 50/50 Kommunikation

Lästern, Mobbing und „Finger Pointing“ sind der Tod jedes Teams. Demzufolge auch eines Scrum Teams. Man kann das sehr schön an den Kommunikationsmustern im Team erkennen. Spricht man im Team auffallend oft über andere, ist das ein schlechtes Zeichen.

In einem guten Team sprechen die einzelnen Teammitglieder genauso oft über sich selbst, wie über andere. Es ist häufig ein Zeichen von erhöhter Unzufriedenheit, wenn der Fokus primär auf anderen Menschen liegt und man schlecht über sie spricht.

Wenn man als Scrum Master mit einem Teammitglied zu tun hat, der dazu neigt sich über andere zu beschweren oder sie schlecht zu machen, sollte man versuchen den Fokus des Teammitglieds auf das Positive zu lenken. Techniken hierfür gibt es z.B. im Lösungsfokussierten Coaching. Ein sehr gutes Buch zu dem Thema ist Agile Teams lösungsfokussiert coachen von Veronika Kotrba und Ralf Miarka.

4 – Energie

Wer kennt sie nicht: Die Scrum Zombies. Teams, die scheinbar völlig unbeteiligt alle Scrum Meetings durchziehen und die Motivation auf dem Nullpunkt ist. Das sind oft Veranstaltungen, bei denen man das Gefühl hat, dass einem Energie entzogen wird, anstatt welche zu bekommen. Häufig hängt das damit zusammen, dass die Teams schon seit Monaten und Jahren den gleichen Trott haben und schon seit langer Zeit keinerlei Veränderungen mehr stattfinden. Oft kann man das in Unternehmen beobachten, bei denen die Kultur überhaupt nicht auf agile Teams zugeschnitten ist und bei denen Transparenz zum Thema Ziele und Visionen ein Fremdwort sind (falls sie überhaupt existieren).

In erfolgreichen Teams ist das genaue Gegenteil der Fall. Schon morgens im Daily Scrum ist die Energie im Team zu spüren, wenn der Arbeitstag gemeinsam geplant wird, Tagesziele gesetzt werden und man sich gegenseitig Hilfe anbietet. Ich persönlich gehe aus diesen Meetings immer ganz beschwingt heraus. Man kann diese Energie förmlich spüren, als Kraft bei der ein Team auf ein gemeinsames, attraktives Ziel zusteuert. Wenn man gemeinsam alles daran setzt, dass am Ende ein tolles Produkt entsteht.

Wie schon bei Punkt 1 erwähnt, sind klare Ziele und eine Produktvision mit der jeder etwas anfangen kann, einer der Erfolgsfaktoren in erfolgreichen Scrum Teams. Ist man hier gut aufgestellt, ist man auf einem guten Weg. Auch beim Thema Energie.

5 – Fokus auf Kunden

Es hilft niemandem etwas, wenn man alle Anforderungen in Zeit, Kosten und Leistung implementiert hat aber den Kunden völlig aus den Augen verloren hat. Das Ende vom Lied ist ein Produkt, dass niemand haben will und man genauso gut in die Tonne schmeissen kann. Leider gibt es immer noch genug Produktmanager da draussen, die zu Wissen meinen, was der Kunde will ohne jemals mit einem gesprochen zu haben.

Erfolgreiche Teams haben einen starken Fokus auf den Kunden. Sie wollen wissen, was der Kunde genau will und testen regelmäßig ob ihre Annahmen stimmen. Ein regelmäßiges Sprint Review ist eine feine Sache, aber wenn man hier kein Feedback vom tatsächlichen Nutzer des Produkts bekommt, ist es nahezu wertlos. Erfolgreiche Teams wissen das und lassen das täglich in ihre Arbeit einfließen. Je näher Teams am Nutzer dran sind, umso besser. Nur so werden sie in die Lage versetzt, die besten Produkte zu entwickeln.

Für den Scrum Master muss es eine der wichtigsten Aufgaben sein, dafür zu sorgen, dass das Team das notwendige Nutzer Feedback bekommt. Er sollte sich nicht allein vom Feedback des Product Owners abspeisen lassen. Im Buch Lean Startup: Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen von Eric Ries gibt es einige spannende Methoden, wie man solches Feedback einholen kann.

Was denkst Du? Deckt sich das mit Deinen Erfahrungen? Welche Erfolgsfaktoren kennst Du? Ich freue mich auf viele Kommentare.

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